
Tradierte Handwerkstechniken geraten einerseits immer mehr in Vergessenheit; andererseits findet als Reaktion auf die Digitalisierung auch eine Rückbesinnung zu handwerklichen Techniken statt. Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) setzt deshalb in einem neuen Ausstellungsprojekt auf „Handarbeit“.
Im „MakerMuseum“ wird mit Hilfe der umfangreichen Sammlung an Objekten der Alltagskultur des MEK das noch vorhandene Wissen über handwerkliche Techniken gezeigt und vermittelt. Den Auftakt bildet das Flechthandwerk. Flechten ist Hand-werk im wahrsten Sinne des Wortes: Als eine der ältesten globalen Kulturtechniken kann es in seiner einfachsten Form ohne bzw. mit wenigen Werkzeugen ausgeübt werden. Seit 2016 steht Flechten zudem im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO Deutschland.
Inhaltliche Schwerpunkte der Ausstellung, die im Frühjahr 2022 eröffnet, bilden die vier Themen „Mensch“, „Schutz“, „Material“ und „Muster“. Diese vier Perspektiven sollen Museumsbesucherinnen und -besuchern unterschiedlicher Generationen neue Zugänge zu Flechterzeugnissen und Flechthandwerk aus ganz Europa (und darüber hinaus) bieten.
Die Geheimnisse, die in jedem Flechterzeugnis stecken, werden aufgedeckt: Wer hat das Objekt geschaffen? Aus welchem Material ist das Objekt und wieso wurde genau dieses Material verwendet? Mit welcher Technik wurde das Objekt hergestellt? Und welche Funktion hat das Objekt? Durch diese Herangehensweise werden Alltagsgegenstände dem Bereich des Banalen enthoben; damit wird eine ganz neue Wertschätzung für das immaterielle Kulturerbe geschaffen. Die Ausstellung bietet einen umfangreichen und faszinierenden Überblick über bislang selten gezeigte Objekte aus der Sammlung des MEK. Geflochtene Gegenstände besitzen besondere Eigenschaften: Sie bilden einerseits einen stabilen Schutz, sind dabei jedoch leicht und auch flexibel. Deshalb eignen sich geflochtene Formen gut für den Transport von Waren.
Auch diese Tragetasche aus Spanien ist hierfür ein Beispiel. Sie wurde in der Provinz Granada ver-wendet: Mit Hilfe der sechs miteinander verbundenen Körbe wurden große Tonkrüge voll Wasser auf den Rücken von Eseln transportiert. Die Körbe sind aus geflochtenem Espartogras. Dieses wächst vor allem im trocken-heißen Klima Südspaniens und wurde dort zu vielerlei Alltagsgegenständen ver-flochten. Auch in anderen Gegenden Europas war der Einsatz solcher Körbe üblich. Wir wollen dieses Großobjekt deshalb in der Ausstellung zeigen. Ein weiterer Vorteil von geflochtenen Gegenständen ist, dass sich Abnutzungs- und Gebrauchsspuren mit natürlichen, erneuerbaren Ressourcen gut reparieren lassen. Leider weisen die Körbe dieser Tragetasche zahlreiche Gebrauchsspuren auf. Ihr Zustand erlaubt es nicht, das Objekt ohne vorherige Restaurierung und anschließende Montage auszustellen.


Fotos:
Bauer reitet auf einem Esel auf einer Landstraße, Sierra de Guadarrama, Kastilien, Spanien, 1959, VIII Eu 4875 © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Erika Groth-Schmachtenberger
Eselstragetasche, Inventarnummer II A 3939, Huéneja, Prov. Granada, Spanien © Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Christian Krug
Verein der Freunde des Museums
Europäischer Kulturen e.V.
Im Winkel 8, 14195 Berlin
Öffnungszeiten
Mi–Fr 10–17 Uhr
Sa und So 11–18 Uhr
GLS Berlin
BIC: GENODEM1GLS
IBAN: DE33 4306 0967 1341 7147 00